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Durch die Liebenswürdigkeit des verstorbenen Herrn Dr. H. A. BECKH-WIDMANNSTETTER kam ich zur Kenntnis eines Dokumentes, das zwar von untergeordneter Bedeutung ist, mir aber doch eine Kontroverse endgültig zu bereinigen scheint, die sich um die Art und Weise, wie FREUD im Jahre 1902 zum Titel eines ausserordentlichen Professors kam, entwickelt hatte. Man kann zwar nicht behaupten, die Geschichte der akademischen Beförderung FREUDs sei für seine Biographie von Wichtigkeit, das Interesse an ihr wurde aber geweckt, als sie von der Psychoanalyse feindlich gesinnten Historikern zum Anlass genommen wurde, die Verlässlichkeit FREUDs und zweier seiner Mitarbeiter zu bezweifeln. Ich habe seinerzeit diese Episode in Einzelheiten und unter Anführung aller mir damals zur Verfügung stehenden Dokumente in einer Studie dargestellt; da aber das Buch makuliert wurde und ELLENBERGER (1970, 452-454) den Vorfall unzureichend, ja stellenweise sogar falsch dargestellt hat, mag es nicht überflüssig sein, das dort Gesagte zu rekapitulieren, ehe ich den Inhalt des neu entdeckten Dokumentes wiedergebe.
Wie der Leser von FREUDs Traumdeutung weiss, musste FREUD verhältnismässig lange auf seine Ernennung zum Professor extraordinarius warten. Diese Verzögerung und die sich daran anschliessenden Gefühlsspannungen fungierten öfters als Traumanreger und erscheinen deswegen unter den freien Einfällen, die sich seinen Träumen anschlossen. Die Verzögerung der Titelverleihung an FREUD wäre jedoch wahrscheinlich niemals Gegenstand einer Kontroverse geworden, wenn nicht HANNS SACHS in seinen Erinnerungen auf eine Geschichte, die FREUD ihm angeblich erzählt hatte, zu sprechen gekommen wäre. Dieser zufolge hätte der Unterrichtsminister HARTEL , als er eine Patientin FREUDs besuchte, in deren Privatgalerie das Gemälde “Burgruine” von BÖCKLIN gesehen und den Wunsch geäussert, es möge für die Moderne Galerie, die jetzige Österreichische Galerie, in Wien gestiftet werden. Er war damals gerade im Begriffe, die