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Während der Jahre der Schaffenszeit Flauberts an der «Education sentimentale» zeichnet sich eine merkwürdige Diskrepanz ab: Einer genauen gehaltlichen Bestimmung seines Werkes1 steht unvermittelt ein bis zum Schluß anhaltendes Mißtrauen hinsichtlich der Romankonzeption gegenüber2. Vier Wochen vor Fertigstellung des Manuskriptes schreibt er an George Sand: «Cette difficulté de trouver un bon titre me fait croire que l'idée de l'ceuvre (ou plutôt sa conception) n'est pas claire?»3 Strengste Arbeitstechnik — «il est celui qui voudrait soustraire le chef d'ceuvre au hasard»4— vermag nicht zu verhindern, daß Flaubert selbst einen Aspekt seines Romans als undurchschaut und unbegriffen empfand, eine Einstellung, die bei aller Schwierigkeit der Lektüre der Leser der «Education» nicht unbedingt zu teilen braucht. Mit wachsendem Verständnis haben nämlich spätere Kritiker zwar die Komplexität des Werkes hervorgehoben5, aber nie diese Bedenken Flauberts geteilt. Im Gegenteil, viele Leser werden sich die Ansicht Hugo Friedrichs Zu eigen machen, der vom «stilreinsten, durchgearbeitetsten Roman des 19. Jahrhunderts»6 spricht. Es erhebt sich also die Frage, ob der Begriff der «conception», den Flaubert in Abhebung zur «idée» wählt, tatsächlich den Kern seiner Beunruhigung trifft, oder ob nicht vielmehr der Schlüssel zum Verständnis auf einer anderen, freilich in den Roman eingegangenen Ebene zu suchen ist.