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Goethe, dem Kleist seine «Penthesilea» voll großer Hoffnungen zugesandt hatte, antwortete in seinem bekannten Brief an den Autor: «…Mit der Penthesilea kann ich mich noch nicht befreunden. Sie ist aus einem so wunderbaren Geschlecht und bewegt sich in einer so fremden Region, daß ich mir Zeit nehmen muß, mich in beide zu finden.» (zitiert nach Knoche).
Als Verfasser der nachstehenden Studie stimmt man solchem Urteil gern zu. Auch wenn, wie im Falle dieser Arbeit, Jahre zwischen der ersten und der zweiten Interpretation liegen, wird einem Penthesilea nur wenig verständlicher und um nichts vertrauter. Sie ist tatsächlich aus «einem wunderbaren Geschlecht.»
Die Untersuchung orientiert sich literarhistorisch an Walter Muschgs Arbeit «Kleists Penthesilea». Einige psychoanalytische Aspekte fanden sich in F. Wittels' Charakterstudie über Heinrich Von KLEIST. Die mythologischen Angaben erfolgen sämtlich nach Pauly-Wissowa.
Zum dramatischen Stoff und seiner Behandlung seien einige summarische Hinweise gegeben: Kleist folgt einer wenig verbreiteten Fassung der antiken Amazonensage, wobei er die verschiedenen Versionen der Sage mengt, «wahrscheinlich ohne die Literatur erst genauer zu studieren, vielmehr auf Grund rascher und zufälliger Eindrücke.» (Muschg). Der Bericht über den Amazonenstaat, seine Entstehung und sein Gesetz ist größtenteils erfunden. Mythologisch belegbar sind: Themiscyra als Hauptstadt der Amazonen; Ares als Stammvater der Amazonen und Vater der Penthesilea sowie Otrere als deren Mutter;