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Der kleine Roman Dostojewskis, «Der Spieler», entstand im Jahre 1867 auf dem Höhepunkt seiner eigenen Spielerlaufbahn. Dostojewski hatte seine Arbeit an dem großen Roman «Raskolnikow» unterbrochen und den Roman «Der Spieler» innerhalb von 26 Tagen in seiner endgültigen Fassung niedergeschrieben. So ist es nicht verwunderlich, daß Aufbau und Darstellungsweise beider Romane einander in vielem ähneln. Wie in Raskolnikow steht auch im Roman «Der Spieler» eine Person besonders im Vordergrund, und es entsteht der Eindruck, daß weitere im Roman auftretende Personen eigentlich nur die Funktion haben, Verhalten und Werdegang der Hauptperson verständlich zu machen.
Schon als Häftling der Peter- und Pauls-Festung, im Jahre 1849, hatte Dostojewski ein überdurchschnittliches Einfühlungsvermögen in entwicklungspsychologische Abläufe gezeigt. In dem Romanfragment «Njetotschka Neswanowa» schildert er die Entwicklung eines kleinen Mädchens in der Ödipussituation, die erst später von der Psychoanalyse in ihrer allgemeinen Bedeutung erkannt worden ist. Seine späteren Romane, Novellen und Erzählungen zeichnen sich dadurch aus, seinen Lesern Einsichten in die Phantasiewelt seiner Romanfiguren zu vermitteln und dabei zu einer ungewöhnlich sicheren Einfühlung in pathologische Zustände zu gelangen.
Eigene Störungen und Krankheiten haben ihm höchstwahrscheinlich Material für seine Einsichten und Erkenntnisse geliefert, doch fällt es außerordentlich schwer, Verbindungen herzustellen zwischen dem Leben des Dichters und den im Kunstwerk geschilderten krankhaften Vorgängen. In vielen Biographien, die in den letzten achtzig Jahren über Dostojewski geschrieben worden sind, finden wir oft etwas voreilig anmutende Verbindungen zwischen dem Schicksal des Dichters und dem seiner Romanhelden. Jedoch liefern die bisher vorliegenden Biographien einen zu geringen Anhalt für ein solches Unternehmen und sind in ihren einzelnen Angaben, zum Beispiel hinsichtlich der Krankheitsdiagnose Dostojewskis, oft widers