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1969 habe ich für die Universität Groningen meine Thesen über die sexuelle Tötung verteidigt. Dabei wurde ein Kapitel der Besprechung der katathymen Krise gewidmet, und einige Hypothesen wurden entwickelt, die aus der Deliktsituation der zu untersuchenden Patienten näher zu verstehen waren. In der deutschen Übersetzung der Zusammenfassung der These wurde über die katathyme Krise festgestellt: “Die katathyme Krise ist eine Situation extremer Spannung, die als Folge der Reaktivation einer latenten Konfliktsituation durch ein Psychotrauma zustande kommt. Mittels einer gewalttätigen Handlung - in einer Anwandlung von Wahnsinn - wird eine Lösung für einen tiefen emotionalen Konflikt gesucht, dessen Art dem Bewußtsein verborgen bleibt.
Dieses Konzept der katathymen Krise ist äußerst wichtig für die forensische Psychiatrie, für die Diagnostik sowie für die Möglichkeit von Therapie, Prognose und Prävention. Die Analogie mit einem psychogenen Desintegrationszustand und der Unterschied von ihm wurden besprochen, wobei die Hypothese aufgestellt wurde, daß die katathyme Krise als Abwehr gegen eine drohende psychogene Psychose dienen kann.”
Der Begriff Katathymie wurde 1912 zuerst beschrieben von Maier in einer Arbeit über “katathyme Wahnbildung und Paranoia”. Er schreibt darüber: “Unter der Katathymie der Symptome verstehen wir die Wirkungen affektbetonter Vorstellungskomplexe auf die krankhaften psychischen Erscheinungen; der Inhalt eines solchen Komplexes ist meistens ein Wunsch, eine Befürchtung oder eine ambivalente Strebung. Die Katathymie ist mit der Wirkung der affektbetonten Komplexe nicht identisch, da sie sich nur auf eine Auswahl der relativ wenigen Komplexe bezieht, die symptombildend auftreten.”
Einige wichtige Punkte aus der Arbeit von Maier sind folgende:
eine allgemeine Disposition zu katathymen Symptomen besteht, wenn die Bilanz zwischen Affektivität und Logik nach der Seite der Affektivität hin sich verändert.
bei katathymen Syndromen spielt die Labilität des Persö