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Psychoanalyse hatte zunächst Krankheitssymptome und Störungen jener Menschen im Auge, die sich als Mitglieder dieser Gesellschaft, als “Bürger”, als Teilhaber an der Polis erleben und sich an ihre Konventionen gebunden fühlen und sich auch um des gesellschaftlichen Ansehens willen ihrem Druck fügen. Die in der eigenen Sozialisation verinnerlichten Konventionen und die aktuellen Einflüsse aus der Gesellschaft vermitteln sie in der alltäglichen Interaktion wie in geplanten und gezielten Maßnahmen an die Kinder. Bei diesen entsteht, wie vordem bei ihren Eltern, eine Diskrepanz zwischen elementaren Bedürfnissen und Grundintentionen einerseits und den Anforderungen der Gesellschaft andererseits. Impulse, die mit gesellschaftlichen, in den Eltern repräsentierten Normen nicht in Einklang zu bringen sind, müssen abgespalten, d.h. schon sehr früh aus keimendem Erleben und Selbstverständnis ausgeschlossen bzw. bereits in das bewußte Erleben eingegangene Wünsche und Interaktionserfahrungen müssen aus ihm “verdrängt” werden. In bestimmten belastenden und widersprüchlichen Situationen manifestiert sich das Abgespaltene und Verdrängte in Krankheitssymptomen oder in irrationalen, von der Selbstkontrolle nicht beherrschbaren Verhaltensweisen.
Für gestörte “bürgerliche” Kinder heißt dies z.B., daß sie mit “Dummheit” oder Krankheit Eltern und Lehrer auf eine unangreifbare Weise angreifen. Für sie ist Schulversagen und Krankheit ein Ersatz für eine offene und Mut fordernde Auseinandersetzung mit Eltern und Lehrern, aber auch das Eingeständnis erfahrener Kränkung und der Reaktion unbändiger Wut. Man kann es sich nicht leisten als schlimmes, böses Kind verachtet, verstoßen und bestraft zu werden. Schulversagen ist damit oft ein unbewußter, aus der Hilflosigkeit des Kindes erwachsender Versuch, Wut und Rache verschleiert zum Ausdruck zu bringen. Dabei darf das Ziel nicht erreicht werden, sondern Herabsetzung und Strafe werden in der Wendung auf sich selbst vom Kind schon vorweggenommen.
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