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Mit Perversion wird bezeichnet ein sexuelles Verhaltensmuster der erwachsenen Person, die ihre Triebkräfte überwiegend sexueller, aber auch destruktiver Art, in einer festgelegten Weise abführt, die nicht der geltenden Norm entspricht. Durch die Perversion soll der Koitus mit einer Person des entgegengesetzten Geschlechts vermieden werden. Der Orgasmus wird nicht durch genitales Eindringen erreicht, sondern durch die perverse Handlung, häufig nur durch perverse Phantasien mit masturbatorischer Endhandlung.
Mehr und mehr wird in der wissenschaftlichen Untersuchung der Perversion der Begriff der sexuellen Abweichung gebraucht. Das bedeutet, daß von einer statistisch erfaßbaren Norm aus solche Bewegungen statistisch nachprüfbar sind, die von der Norm sich wegbewegen und beschreibbar sind. Es soll nicht die Pathologie der sexuellen Abweichungen mit diesem Normdenken bestritten, aber darauf hingewiesen werden, daß eine Perversion ein soziologisch relevanter Tatbestand ist, dessen Ausmaß der Abweichung von der jeweils herrschenden gesellschaftlichen Meinung bestimmt ist.
Ich will in der folgenden Darstellung versuchen, diesen sozialen Tatbestand in der frühen Sozialbeziehung zu zeigen und sie mit der Entwicklung des kindlichen Triebverhaltens zu verknüpfen. Mein Versuch, “… die eigentliche Lebensabsicht des Einzelwesens …, sich am Leben zu halten und … die günstigste und gefahrloseste Art der Befriedigung mit Rücksicht auf die Außenwelt herauszufinden…” stützt sich zwar auf eine Fülle von theoretischer Literatur und klinischen Erfahrungen, soweit sie die Triebe, d.h. “… die körperlichen Anforderungen an das Seelenleben angehen” (Freud, 1938b, S. 70). Bei der Verknüpfung hingegen bin ich angewiesen auf die eigenen soziologischen Untersuchungen, deren Verbindung mit dem höchst variablen Ausdruck der einzelnen Triebbedürfnisse experimentell geprüft wurde. Diese Untersuchungen wurden in der Psychoanalytischen Abteilung des Forschungsinstituts für Soziologie der Univer