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Ich werde die im Titel formulierte These am klinischen Beispiel belegen. Zum besseren Verständnis scheint es jedoch angebracht, zuvor meine Auffassungen zur Psychodynamik des sog. ‘moralischen Masochismus’, für den ich den von Bergler geprägten Begriff des ‘psychischen Masochismus’ übrigens vorziehe, kurz darzustellen. Reik sprach von ‘sozialem Masochismus’.
Freud interpretierte, wie bekannt, die Wendung zum masochistischen Verhaltensmuster zunächst als eine Rückwendung aggressiver Impulse auf die eigene Person und eine Verkehrung des Triebzieles, das nun passiv wird. Dies geschehe im Zuge der Abwehr aktiver aggressiver sadistischer Wünsche im Rahmen der ödipalen Rivalität mit dem Vater und der damit zusammenhängenden Kastrationsangst. Die abgewehrten Impulse werden verinnerlicht und machen das Überich sadistisch. Das wird als Strafbedürfnis sichtbar. Während die verinnerlichte Aggression beim Zwangskranken und dessen unbewußter ‘Moral’ innerhalb der Person bleibt und z.B. in selbstquälerischen Skrupeln zur Abfuhr kommt, werde vom Masochisten ein Objekt in der Außenwelt gesucht, das die ursprüngliche sadistische Rolle des Subjektes übernimmt.
Nach 1924 war dann Masochismus für Freud nicht mehr ein sekundäres durch Entwicklung und Erziehung entstandenes Phänomen, sondern eine primär gegebene Tatsache, ein uranfänglicher Trieb. Es hat sich meiner Überzeugung nach gezeigt, daß dieses auf der Todestriebhypothese aufbauende Modell für das Verständnis der klinischen Tatsachen wenig hilfreich, ja irreführend war. Wilhelm Reichs Kritik an dieser Auffassung, die er 1932 in seiner Arbeit ‘Der masochistische Charakter’ mit klinischem Material belegte, wäre wahrscheinlich wirksamer geworden, wenn er seine klinischen Beobachtungen nicht so sehr mit seinen politisch-ideologischen Auffassungen vermischt hätte. Viele andere haben danach versucht, wieder zu einer mehr psychologischen Erklärung des Phänomens zurückzukommen. So L. Eidelberg (1934), Theodor Reik (1940) und in mehreren Ar