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Der für stationäre Patienten verantwortliche Psychoanalytiker, der nicht auswählen kann, welche Patienten er als für seine Methoden geeignet annehmen möchte, sondern der behandeln muß, wer zu ihm gebracht wird, fühlt gegenüber depressiven Patienten eine doppelte Unsicherheit: erstens ist ein Bild zu gewinnen, auf welchen genetischen Voraussetzungen das jeweilige depressive Erscheinungsbild beruht und welche organischen, situativen, auslösenden usw. Faktoren beteiligt sind, verbirgt sich doch hinter dem Angebot Depression ein weitgespanntes Spektrum pathologischer Zustände, von der mehr oder weniger pathologischen Trauer bis zu eindeutigen Psychosen. Ist diese oft schwierige Abwägung gelungen, eine entsprechende therapeutische Strategie festgelegt, und ist dabei die Entscheidung gefallen, daß jetzt oder in einem späteren Stadium eine psychoanalytische Therapie möglich und sinnvoll ist, so ist zweitens zu entscheiden, welcher psychoanalytische Zugang bei Depressiven erfolgen, an welchen psychischen Schichten, Strukturen oder Systemen er ansetzen kann und mit welcher Zielrichtung, und welche Veränderungen in Auswirkung der Therapie zu erwarten sind. Einige der Vorstellungen, die sich die Psychoanalyse im Laufe ihrer Geschichte darüber gebildet hat und welche Techniken sie daraus ableitete, aufzuzeigen und zu vergleichen, ist der Gegenstand dieser Arbeit.
Die klassische psychoanalytische Theorie der Depressionen wurde von Abraham und Freud entwickelt:
Abraham konstatierte (1912) zunächst noch tastend: gemeinsam sei allen Depressiven der Ausgang der Krankheit von einer “das Liebesvermögen paralysierenden Haßeinstellung” und die “Unsicherheit in bezug auf die Geschlechtsrolle” (S. 151). Zur Verdrängung geselle sich die Projektion: “Die Menschen lieben mich nicht; sie hassen mich …. weil ich mit angeborenen Mängeln behaftet bin. Darum bin ich unglücklich, deprimiert” (S. 152).