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1955 schrieb Glover in seinem Buch “The Technique of Psychoanalysis” folgenden Satz: “Trotz des unter analytischen Lehrern weitverbreiteten Slogans ‘Analysiere die Aggression’ und 'Decke das Negative auf gibt es keine klinischen Anhaltspunkte dafür, daß dieser Rat, wenn er unter Mißachtung der Angstquellen erfolgt, zur Besserung des Patienten beitragen kann. Eher das Gegenteil ist der Fall” ([10], 256). Obwohl seit dieser Warnung Glovers mehr als 20 Jahre verstrichen und neue Konzepte zum Verständnis aggressiven Verhaltens entwickelt worden sind, wird gegen diese Regel bei manchen Patienten auch heute immer wieder verstoßen. Die folgenden Ausführungen setzen sich zum Ziel, zur Vermeidung solcher Verstöße beizutragen.
Das Thema “Aggression” ist heute aus mindestens drei Gründen weiterhin aktuell. Zunächst ist das Konzept des Aggressionstriebes für viele Analytiker weiterhin rätselhaft. Zum zweiten ruft die zunehmende Aggressivierung der heutigen Gesellschaft immer dringlicher nach Neutralisierung aggressiven Verhaltens, bzw. nach Introjektion aggressionsfreier Objektbeziehungsschemata. Drittens hat die fortschreitende Erforschung prä-ödipaler Verhältnisse Funktionen aggressiven Verhaltens freigelegt, die den technischen Umgang mit Aggressionsphänomenen wesentlich verändert haben. Mit diesen - und nur mit diesen - befassen sich die nachfolgenden Erörterungen.
Die theoretische Frage des Aggressionstriebes sei deshalb hier nur kurz gestreift. Hält man an der Definition der Triebquelle als eines erregenden Vorganges in einem Organ (GW V, 67), der eine bewußte oder unbewußte Repräsentanz finden kann, (GW X, 276) fest, so fällt es beim heutigen Stand der Forschung schwer, ein derartiges Organ für den sog. Aggressionstrieb zu identifizieren. Die Muskulatur kann jedenfalls nicht in diesem Sinne als Quelle, sondern höchstens als Instrument eines solchen Triebes betrachtet werden, wenn man etwa mit Fenichel. ([7], 73) die Inkorporation eines Objektes als archaisches Triebziel de