You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Sigmund Freud trat im September 1865 in das Leopoldstädter Communal- und Real-Obergymnasium in Wien II, Taborstrasse 8 ein und legte im Juli 1873 die Abgangsprüfung ab. Mein Vater Wilhelm Knoepfmacher war sein Mitschüler vom September 1870 bis Juü 1873. Ich selbst war Schüler der Anstalt von September 1901 bis Juli 1909.
Es gab im Jahre 1865 vier Gymnasien in Wien: zwei geistliche, das Schotten- und das Piaristengymnasium und zwei weltliche, das akademische und das Leopoldstädter Gymnasium. Alle wurden später von der staatlichen Unterrichtsverwaltung übernommen. Die österreichischen Gymnasien waren aufgrund des “Organisationsstatuts für Gymnasien” von 1849, in Kraft seit 1854, organisiert. Ihr Lehrziel war, “höhere allgemeine Bildung unter wesentlicher Berücksichtigung der alten Sprachen zu vermitteln und zum Universitätsstudium vorzubereiten”. Der Unterricht wurde in zwei Stufen erteilt, einer elementaren in den ersten vier Jahren, dem Untergymnasium, und einer wissenschaftlichen Stufe, in den letzten vier Jahren, dem Obergymnasium. Die Klassen wurden aufsteigend von der Prima bis zur Oktava gezählt. In den letzten zwei Jahren gab es auch -anders als in preussischen Gymnasien - einen Lehrgegenstand “Philosophische Propädeutik”, Logik und Psychologie, in zwei Wochenstunden.1 Das Leopoldstädter Gymnasium hiess Realgymnasium, weil ausser Latein und Griechisch auch Französisch, aber nicht Englisch, als nicht obligatorischer Gegenstand gelehrt und mehr Wert auf die Naturwissenschaften gelegt wurde (Mischler, 1905-1909, II, 610-14). Sterba (1971) gibt eine eingehende Darstellung des Lehrplans der österreichischen Gymnasien zu Freuds Zeit.
Das Leopoldstädter Gymnasium wurde 1864 von der Stadt Wien gegründet und bis 1872 mit acht Klassen aufgebaut. Freuds Klasse war daher die zweite seit Bestand der Anstalt. Das Schulgeld war niedrig,