You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
«Hat denn dieses System etwas Willkürliches? Ja und nein. Es ist mit Willkürlichem verwandt und mit Nichtwillkürlichem» (L. Wittgenstein, 1929-1948, S. 362).
«Die Moralvorschrift auf ihren Ursprung, d.h. auf ihre Zweckmäßigkeit zurückzuführen …» (S. Freud, 1915, S. 311)
In seinem vielleicht abgründigsten Werk «Jenseits des Lustprinzips» (1920) unternahm S. Freud den Versuch, aus dem zufälligen Zusammenstoß zweier Systeme ohne Setzung eines zuvor konzipierten, eines schon antizipierten Zieles die Entstehung des Lebens und alle seine Höherentwicklungen abzuleiten, indem er sie als Resultat der Interaktions-Dynamik begriff. Aus einer solchen Sicht konnte er deshalb auch behaupten (1920 S. 44): «Die … Entwicklung des Menschen scheint mir keiner anderen Erklärung zu bedürfen als die der Tiere …».
Höherentwicklung imponiert dabei freilich «nur» als ein Umweg zum unausweichlichen Ziel, dem Tod, der Reduktion der Spannung, dem Anstieg der Unordnung (der Entropie), der Erreichung des Nirwanas.
Freud war mit diesen Spekulationen einem Monismus nahe, denn die miteinander in Interaktion tretenden Systeme, hier ein Organismus, seinerseits schon historisch gewordenes Produkt auf Grund vorausgegangener Interaktionen mit den Systemen seiner Umwelt, und dort ein Reiz, Exponent eines ebenfalls historisch gewachsenen zweiten Systems, wurden beide als solche bezüglich ihrer inneren Dynamik nur von der Tendenz zur Spannungsreduktion, d.h. vom Todestrieb bestimmt. Aber Freud hat eine derartige monistische Trieb-Auffassung immer wieder strikt abgelehnt, denn, nachdem durch das alleinige Wirken der zunächst gleichsam negativen Kraft des Todestriebes die interagierenden Systeme eine neue, komplexere Struktur erworben hatten, muß diese letztere infolge des Diktats der konservativen, über Reizeinflüssen entstandenen