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Das Thema der Urszene durchzieht Freuds psychoanalytische Schriften von der ersten Veröffentlichung bis in seine letzte große Arbeit über den Mann Moses. Er hat es immer wieder aufgegriffen, zur Erklärung der vielfältigsten Erscheinungen in der Neurose und in der Kultur herangezogen, und das allein macht schon deutlich, welches Gewicht er diesem Stoff beigemessen hat. Lange bevor er die entscheidende Entdeckung der infantilen Sexualität gemacht hatte, war er davon überzeugt, daß die Beobachtung sexueller Szenen auf das Kind eine verheerende, eine chaotische Wirkung haben müsse. Von dieser Überzeugung ist er niemals abgegangen, wenn auch seine Meinung darüber, ob allein die reale oder auch die nur phantasierte Szene solche Wirkung hervorrufe, sich im Laufe der Theoriebildung geändert hat.
Freud hat den Unterschied zwischen Phantasie und Realität immer betont, was aber nicht verhindern konnte, daß in vielen Untersuchungen bis in die jüngste Zeit eine begriffliche Unklarheit darüber herrscht, ob mit der «Urszene» nun eine reale Beobachtung sexueller Szenen gemeint ist oder die Phantasiebildung darüber oder beides. So ist es vielleicht nützlich, wenn man sich die Hauptpunkte der begrifflichen und inhaltlichen Entwicklung dieses Konzepts noch einmal in die Erinnerung ruft.
Wie so viele andere Begriffe der psychoanalytischen Theorie erscheint auch der Terminus «Urszene» erstmals in der Korrespondenz mit Fliess. FREUD geht hier von der Realität infantiler Sexualerlebnisse, von Verführungen, aus, die später in der Phantasie oder in der Symptomatik von hysterischen Patienten reproduziert werden. Solche ursprünglich realen Erlebnisse werden zunächst verdrängt, bekommen aber in dem Augenblick nachträglich traumatische Gewalt, wo sich beim Heranwachsenden ein Verständnis des sexuellen Lebens gebildet hat. Im Fall der «Katarina» (1895) führte dieser Mechanismus bei einer aquirierten Hysterie zum psychogenen Erbrechen. Die Verdrängung der Erlebnisse aus der «vorsexuellen Zeit» - Fr