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In seinem Symposions-Beitrag „Zur Frage der Ich-Deformierungen“ schließt Glover (1959) seine Überlegungen mit dem Satz: „Unter den Gegenständen, die die psychoanalytische Wissenschaft am meisten fördern könnten, stünde in erster Reihe die Klassifikation der seelischen Störungen.“ Nach der Zahl der Arbeiten zu urteilen, die seitdem zu diesem Thema veröffentlicht wurden, ist er mit dieser Ansicht auf keine sehr starke Resonanz gestoßen. Veröffentlichungen über eine psychoanalytische Klassifizierung, Abgrenzung oder Systematisierung von Krankheitsbildern findet man nach wie vor selten. Seit Fenichels vor über 35 Jahren erschienenem Lehrbuch hat es keinen vergleichbaren Entwurf mehr gegeben.
Diese relative Mißachtung nosologischer Fragestellungen in der Psychoanalyse hat sicher mit den großen Schwierigkeiten zu tun, die sich aufgrund unseres derzeitigen Wissens- und Erfahrungsstandes jedem Versuch einer psychoanalytischen Krankheitslehre entgegenstellen. Meyer (1972) hat die „Schwierigkeiten einer Neurosen-Ideal-Klassifikation“ sehr prägnant zusammenfassend dargestellt. Neben diesen in der Problematik des Gegenstandes und dem Entwicklungsstand der Psychoanalyse verankerten Gründen scheint mir aber noch ein anderer Faktor dafür verantwortlich zu sein, daß Glovers Anregung so wenig berücksichtigt wurde: das tiefverwurzelte Schisma zwischen den sogenannten Geistes- und Naturwissenschaften und das damit verbundene Mißtrauen, das viele Psychoanalytiker gegenüber den Naturwissenschaften hegen.