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In den gemeinsamen Arbeiten (1893/95) zu den theoretischen und praktischen Problemen, welche der Forschung im Bereich der Neurosen damals gestellt waren, beziehen sich Breuer und Freud als wesentlichen Referenzpunkt stets auf die Behandlung der Patientin Anna O., die Breuer in den Jahren durchgeführt hatte. Von beiden Autoren wird zu dieser Zeit - sowie späterhin von Freud an vielen Stellen - stets von der ‚kathartischen Methode’ gesprochen, die Breuer bei dieser Behandlung inauguriert hätte. Diese Diktion hat sich in der Literatur zu diesem Gegenstand durchgesetzt, so daß der ‚Fall Anna O.’ und die ‚kathartische Methode4 zum Topos für den Ursprung der Psychoanalyse geworden sind. So wenig an einer solchen Aufstellung in ihrer Allgemeinheit falsch sein mag, so verstellt sie doch den Blick auf den konkreten Gang der Herausformung von therapeutischer Praxis und der theoretischen Verarbeitung der durch sie gewonnenen Daten, indem durch das flinke Schlagwort eben dieser unterliegende Entwicklungsprozeß eskamotiert wird.
Es scheint für die Psychoanalyse als Praxis zunächst nicht von besonderer Bedeutung zu sein, ob die damit verbundenen Fragen zu einer Klärung gelangen; sofern jedoch die psychoanalytische Therapie und Forschung sich ihrer eigenen Grundlagen versichern will, kommt der kritischen Betrachtung der konstituierenden Phase dieser Wissenschaft eminente Bedeutung zu.
Folgende Ausfährungen stätzen sich hauptsächlich auf die Schriften von Breuer und Freud, die von ihnen zu den Neurosenproblemen bis einschließlich der ‚Vorläufigen Mitteilung’ veröffentlicht worden waren; einbezogen werden aber auch die Arbeiten, die sich auf Behand-lungen