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Die unerschöpflich reiche Handlung des Faustspiels bewegt sich innerhalb des Rahmens einer Wette zwischen dem Herrn und Mephisto einerseits und einem Vertrag zwischen Mephisto und Faust andererseits.
Mephisto ist die unbeschränkte Macht über Faust während dessen Lebenszeit gegeben („solang' er auf der Erde lebt“ (315)). Er verbürgt sich, Faust auf seinem Weg herabzuführen; wenn ihm dies nicht gelingen sollte, so wird Fausts Seele dem Herrn gehören. Man hat die Einschränkung auf Fausts Lebenszeit, die der Herr Mephistos Macht über Faust setzt, dahin interpretiert, daß Gott das Recht auf Fausts Seele nach dessen Tod behält. Die Einschränkung besagt aber nur, daß Mephisto uneingeschränkt versuchen darf, Faust zu korrumpieren solange er lebt. Nach dessen Tode wird es entschieden werden, ob ihm dies gelungen ist. Ohne die Einschränkung könnte Mephisto darauf beharren, sein Werk der Korruption nach Beendigung von Fausts biologischer Existenz fortzusetzen. Die äußeren Bedingungen von Zeit und Ort der Wette sind also eindeutig gegeben: solange Faust auf Erden lebt, wird sich Gott jeder Intervention enthalten; Mephisto ist die freie Hand gewährt. Unbestimmt hingegen bleiben die Bedingungen unter denen die Wette als gewonnen bzw. verloren angesehen werden soll und muß.
Welches sind die Merkmale, nach denen bestimmt werden kann, daß ein Mensch sich des Weges wohl bewußt bleibt, selbst wenn er von seinem Urquell abgezogen ist (324, 329), oder daß Mephisto zu seinem Zwecke gelangt ist (322)? In kurzem, wenn Mephisto wettet, daß der Herr Faust „verlieren“ (312) wird, so scheinen beide sich darüber einig zu sein, worin dieses „Verlieren“ bestehen würde. Daher erübrigt sich eine umschriebene Definition im Text des Spieles.