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„Und so, in einem wahnsinnigen Verlangen, mich in ihre Arme zu stürzen, erfuhr ich erst jetzt, in diesem Augenblick, mehr als ein Jahr nach ihrer Beerdigung - auf Grund jenes Anachronismus, durch den so oft der Kalender der Tatsachen mit dem Kalender der Gefühle nicht zusammenfällt -, daß sie gestorben war“. (M. Proust, Sodom und Gomorra, I, S. 220).
In der klinischen Arbeit mit Patienten kann man immer wieder beobachten, wie regressive Phänomene verschiedenster Art zeitlich gesehen nicht zufällig in Erscheinung treten, sondern in einem sinnhaften Zeit- und Datumsbezug zu Geschehnissen und Erlebnissen der Vergangenheit zu stehen scheinen. Oft hat man fast den Eindruck, als habe eine „innere Uhr“ den Zeitpunkt im Leben eines Menschen bestimmt, an dem eine bis dahin stabile Abwehrstruktur ins Wanken gerät und regressiv den Weg in psychoneurotische, psychosomatische oder auch psychotische Symptombildung eröffnet. Oft scheinen an sich autonome Lebensentscheidungen und Entwicklungen, wie der Zeitpunkt der Heirat, der Geburt von Kindern und deren Altersfolge, der Zeitpunkt von beruflichen Entscheidungen und Veränderungen, aber auch der Zeitpunkt von persönlichen, partnerschaftlichen und beruflichen Krisen, von Unfällen, Krankheit und Operationen, von Suiziden und Todesfällen, u.v. m., an einem „inneren Kalender“ orientiert zu sein, der eher von Objekten der Vergangenheit und deren Lebensdaten, von der Geschichte der oftmals