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„Jenes Gefühl: ‚Ich bin der Mittelpunkt der Weit!‘ tritt sehr stark auf, wenn man plötzlich von der Schande überfallen wird; man steht dann da wie betäubt inmitten einer Brandung und fühlt sich geblendet wie von einem großen Auge, das von allen Seiten auf uns und durch uns blickt.“ (Nietzsche, Morgenröte, 352, p. 234)
Schande, Scham, Verlegenheit, Schüchternheit, Betretenheit - wer kennt nicht diese Gefühle des Sich-Schämens? In feinen Abspielungen und Nuancen, in massiven Formen des Überwältigtseins von Scham und Selbstverachtung, in krankhaften Ängsten, von andern ausgelacht zu werden - wir alle kennen dieses Panorama des Schamgefühls von uns selbst, von unsern Verwandten und Freunden, und namentlich von unseren Patienten. Es vergeht wohl kaum eine Stunde der Analyse oder der Psychotherapie, in der wir nicht im Schweigen des Patienten oder im Gerede, im Zorn oder in der Einschüchterung, und v. a. in der Überzeugung eignen Unwertes, der einen oder andern Form des Sich-Schämens gewahr werden. Um so erstaunlicher ist es dann, wie wenig Aufmerksamkeit die analytische Literatur diesem Spektrum der Schamgefühle bislang geschenkt hat. Piers und Singer, Erikson, Helen Block Lewis und Sidney Levin sind die mir bekannten Ausnahmen. Erst in den letzten Jahren hat sich, mit dem zunehmenden Interesse an den Affekten