You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Sigmund Freud hat die Trieblehre nicht ohne Ironie, aber auch gewiß nicht ohne Pathos, die „Mythologie“ der Psychoanalyse genannt (1932, S. 101; 1933, S. 22). Im Brief an Albert Einstein fügt er rhetorisch und beschwörend die Frage hinzu: „Aber läuft nicht jede Naturwissenschaft auf eine solche Art von Mythologie hinaus?“ Freuds Einordnung der Psychoanalyse ist eindeutig: Er begreift die Psychoanalyse als eine Naturwissenschaft, die den mythologischen Kern der Trieblehre umschließt und aus diesem Zentrum heraus lebt. Die Vorstellung, „unsere Theorien seien eine Art von Mythologie“, taucht, so präzise ausgedrückt, sehr spät in Freuds Werk auf, und zwar nach der Komplettierung der Triebtheorie durch die Einführung der Lehre von den Lebens- und Todestrieben. Bezeichnenderweise findet Freud diese Charakterisierung, nachdem er die biologisch individualpsychologische Triebkonstruktion ins Urzeitliche und zugleich ins Kosmologische transzendiert hat.1