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Im Alter von 72 Jahren schrieb Theodor Fontane diesen Roman, der ihm nach seinen eigenen Worten wohl deshalb so gut gelungen ist, weil er „das Ganze träumerisch und fast wie mit einem Psychographen geschrieben“ hat. „Es ist so wie von selbst gekommen, ohne rechte Überlegung und ohne alle Kritik“ (Brief an Hans Hertz, 2.3.1895).
Träumerisch und ohne rechte Überlegung muten schon die folgenden Zeilen dieses Briefes an: „Meine Gönnerin Lessing … erzählte mir … die ganze Effi-Briest-Geschichte, und als die Stelle kam, 2. Kapitel, wo die spielenden Mädchen durchs Weinlaub in den Saal hineinrufen: „Effi komm“, stand mir fest: „Das mußt du schreiben“. Aus dieser kurzen Szene sei die ganze lange Geschichte entstanden, schreibt Fontane. Er teilt keine weiteren Erklärungen dazu mit. Sie zu finden ist die Aufgabe des analysierenden Lesers.
Im folgenden soll dargestellt werden, daß Fontane in seinem Roman „Effi Briest“ die Entwicklung einer Depression beschreibt, die ich hier verstehe als ein Spektrum verschiedener klinischer Zustandsbilder von der leichten depressiven Verstimmung während der Schwangerschaft