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Während Freuds Einfluß auf das zeitgenössische Denken vielfach untersucht wurde, liegen bisher relativ wenige Arbeiten vor, die sich mit dem Einfluß der deutschsprachigen Kultur auf Freud befassen.
Ich werde mich auf den Einfluß der deutschsprachigen Kultur beschränken. Wir sollten darüber aber nicht vergessen, daß Freud bereits in jungen Jahren Werke der Weltliteratur las, die sein Denken nachhaltig prägten. Freud wurde aufgrund seiner humanistischen Schulbildung mit kulturellen Einflüssen aus aller Welt konfrontiert und früh mit Werken von Sophokles, Shakespeare, Cervantes, Darwin, Molière und vielen anderen vertraut. Auch die Bibel war von beträchtlichem Einfluß auf Freud.
Die Jugendjahre Freuds sind nur spärlich dokumentiert, weil Freud selbst viele Unterlagen vernichtete. Wir haben aber doch einige Anhaltspunkte und können darüber hinaus die verschiedenen Einflüsse, denen Freud ausgesetzt war, aus dem Bildungswesen und den sozialen Bedingungen ableiten, die im neunzehnten Jahrhundert in Wien herrschten.
Freuds Werk ließ sich bekanntlich bisher nicht reibungslos in herkömmliche Kategorien einordnen, seine Wissenschaftlichkeit ist noch umstritten. Ich glaube, daß der ambiguöse Charakter der Psychoanalyse zum Teil eine innere Spannung oder, wenn man so will, einen Konflikt ihres Begründers reflektiert, der sich auf seine Berufswahl bezieht. Dieser Konflikt kann seinerseits darauf zurückgeführt werden, daß Freud sowohl dem Einfluß einer naturwissenschaftlichen als auch einer im umfassenden