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Es ist nicht nur sehr ehrenvoll, die Vorträge der beiden Redner kommentieren zu dürfen. Es ist auch überaus reizvoll, nicht zuletzt weil die Texte so verschieden sind: Didier Anzieu setzt sich gegen die etwas künstliche Blickeinschränkung auf die deutschsprachige Kultur, die uns das Thema auferlegt, zur Wehr, während Ernst A. Ticho sie akzeptiert. Der eine arbeitet gleichsam mit dem Teleobjektiv, der andere mit dem Weitwinkelobjektiv.
Immer wieder die „polymorphe Kultur“ Sigmund Freuds betonend, präsentiert uns Anzieu eine Variation seiner großen Untersuchung über dessen Selbstanalyse.1 Er konzentriert sich auf die Entstehungsphase der Psychoanalyse. Im Brennpunkt stehen Freuds Träume und Die Traumdeutung,2 das Jahrhundertbuch, welches allerdings, wie kein zweites Freudsches Werk, den psychoanalytischen Kosmos verkörpert. Es enthält in Fülle gleichermaßen den konkreten Stoff, den der psychische Apparat in Gestalt der Traumgespinste von sich gibt, und die abstrakteste Reflexion über diesen Stoff. Es ist Wissenschaft, Poesie und mosaikartige Tiefen-Autobiographie in einem. Anzieus schöner Vortrag, in welchem er sich im wesentlichen mit dem Sprachaspekt befaßt, ist auch eine Einladung zum erneuten Studium des Traumbuchs.
Ernst Ticho hingegen zeigt uns ein imponierendes Gesamttableau. Er will das ganze Panorama der Einflüsse deutschsprachiger Kultur auf Freuds Denken erkennbar werden lassen. Es gibt in diesem Gesamttableau