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Der interessanten Ausleuchtung unseres Themas möchte ich nur eine kurze Bemerkung hinzufügen. Sie bezieht sich auf die Frage nach den Wurzeln von Freuds Vielsprachigkeit, seiner Fähigkeit, von einer Sprache in die andere zu gleiten.
Erst im Alter von 3 Jahren kam Freud über Leipzig nach Wien in den deutschen Sprachraum. Wie wir heute wissen, war er vorher - in seiner frühesten Periode der Sprachentwicklung - als das “glückliche Freiberger Kind” in einem mehrsprachigen Milieu herangewachsen. Auf diesem Boden hatte er eine dreifache Identität der Sprache ausgeformt: die deutsche Sprachtradition, Tschechisch als Sprache der Kinderfrau und mancher Gespielen und die jüdische Sprach- und Kulturtradition.
Wie tief Freud seine tschechische Sprachidentität verdrängt hatte, sagt er uns in der Traumdeutung. Noch in seiner Lebensmitte erinnert er einen tschechischen Kinderreim, dessen Sinn er nicht versteht. Dieser verschüttete Reim war erst in seinem 17. Lebensjahr wieder in seinem Bewußtsein aufgetaucht.
Man könnte sich vorstellen, daß, wenn man den Spuren von Freuds frühester Tripelidentität in Sprache und Kultur nachgeht, die Entstehungsgeschichte der “außergewöhnlichen Besetzung der Sprachfunktion” (Ilse Grubrich-Simitis, Ticho) und Freuds “polymorphe Kultur”, die uns Anzieu so überzeugend gezeigt hat, aufgehellt wird.
Dr. Eva Laible, Schmöllerlgasse 5, A-1040 Wien.