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Webster (1947) definiert die Geschichtswissenschaft als „die Wissenschaft, die Ereignisse der Vergangenheit darstellt und erklärt… das Wesen und die Bedeutung von Ereignissen untersucht“. Die Psychoanalyse hat mit dieser Wissenschaft manches gemeinsam (auch manche problematische Aspekte). Deutlicher als vielleicht anderen Wissenschaftlern ist Historikern ebenso wie Psychoanalytikern bewußt, daß die Vergangenheit in der Gegenwart fortlebt. Insofern Geschichte „Herkunft“ beinhaltet und damit auf den genetischen Aspekt verweist, dem in der Psychoanalyse eine zentrale Bedeutung zukommt, ist es um so erstaunlicher, daß die Untersuchung historischer Phänomene und Ereignisse in der Psychoanalyse gegenwärtig einen vergleichsweise geringen Raum einnimmt. Trotz Freuds Pionierarbeiten wie beispielsweise Das Unbehagen in der Kultur (1930) oder Der Mann Moses und die monotheistische Religion (1939) sowie einigen wenigen neueren Beiträgen (Eissler, 1965; Kris, 1952; Waelder, 1967; Wangh, 1964 usw.) befassen sich Psychoanalytiker, die auf dem Feld der angewandten Psychoanalyse arbeiten, nach wie vor hauptsächlich mit psychobiographischen Studien historischer Persönlichkeiten. Selbstverständlich ist die Psychoanalyse in erster Linie eine klinische Untersuchungsmethode, aber daneben stellt jede Analyse immer auch die Bemühung um die Rekonstruktion einer Lebensgeschichte dar. Insofern nun die Rekonstruktion der Psychobiographie einen unabdingbaren Bestandteil des psychoanalytischen Prozesses bildet, ist die Psychoanalyse die biographische