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50 Jahre nach seiner Veröffentlichung bietet Freuds Aufsatz Die endliche und die unendliche Analyse (1937) immer noch einen unvergleichlichen Reichtum an Ideen und zeigt eine überraschende Aktualität. Bei jedem Wiederlesen fand ich darin Gedanken, die mir zur Klärung meiner analytischen Praxis verhalfen oder die spätere theoretische Entwicklungen der Psychoanalyse vorwegnahmen.
Freud wirft in seinem Text mehrere Fragen auf.
Die erste Frage: „wie man die beschwerlich lange Dauer einer analytischen Behandlung abkürzen kann“ (S. 79), ist das Thema von Abschnitt I. Freud erörtert die Berechtigung einer Terminsetzung für das Ende der Behandlung, z. B. ein Jahr im voraus, und kritisiert ausdrücklich die Bemühungen von Rank um die Aufhebung des Geburtstraumas und der „Urfixierung“ an die Mutter. Implizit geht es auch um die aktive Technik Ferenczis; ich werde unten ein Beispiel beibringen, das deren paradoxe Wirkung verdeutlicht.
Das Hauptproblem des Aufsatzes wird dann in mehrfacher Umschreibung in Abschnitt II vorgestellt: Kann die Analyse überhaupt ihr Ende (und d. h. auch ihre Vollendung oder ihr Ziel) erreichen? Was ist ihr „natürliches“ Ende - die Beseitigung der Symptome, die Überwindung der Ängste und Hemmungen, die Bewußtmachung des Unbewußten? „Welche Hindernisse [stehen] der analytischen Heilung im Wege“ (S. 65)? Diese letzte Umschreibung führt Freud dazu, sein Hauptproblem in drei Fragen zu unterteilen, die im weiteren Fortgang zu zweien zusammengezogen werden.