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„Wir schwenken das Weißhaar der Zeit“
Paul Celan
‚Spät und tief’
(Aus: Mohn und Gedächtnis)
Als ich gerade versuchte, die zu zahlreichen Gedanken und zu vielschichtigen Gefühle, die dieser Kongreß in mir wachrief, zu sammeln, auch um dem Wunsch Henri Vermorels1 zu entsprechen, erhielt ich einen Brief von sehr fernen und lieben Freunden (deren Namen und Wohnorte ich gerne verschweigen möchte), worin sie mir ihre Enttäuschung mitteilten: in dem Kongreßbericht ihrer Vereinigung sei nicht einmal das Besondere an dieser Rückkehr der psychoanalytischen Gemeinschaft auf deutschen Boden erwähnt - seit 1932 und 40 Jahre nach Kriegsende zum ersten Mal wieder -, und der Problematik des Nazismus sowie dem ihr gewidmeten Tag habe man sich nicht gestellt. (War denn nicht der gesamte Kongreß von diesem Thema durchdrungen?) Es war klar, daß die Botschaft meiner Freunde eine Beschwerde enthielt, die von Enttäuschung geprägt war: waren denn die jüdischen Analytiker die einzigen, die nachempfinden konnten, was dieser Kontakt mit den deutschen Kollegen an Beunruhigendem, Schwierigem, Interessantem, aber auch Ergreifendem an sich hatte? Einer meiner Freunde war gerade von einer Zeitung seines Landes über den Nazismus und Terrorismus im