You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Am 4. April 1987 starb im Alter von 91 Jahren Frau Dr. Jeanne A. Lampl-de Groot. Obwohl unerwartet, kam die Nachricht ihres Todes nicht als eine Überraschung. Wir alle waren Zeugen, wie während der letzten Jahre ihr körperlicher Zustand immer fragiler wurde, aber auch, wie sehr sie darunter litt, daß ihr immer mehr Freunde und Bekannte durch den Tod genommen wurden.
Während ihres Medizinstudiums in Leiden, wo der damalige Leiter der Psychiatrischen Klinik, Professor Jelgersma, der Psychoanalyse sehr positiv gegenüberstand, machte Frau Lampl u. a. durch die Lektüre der Traumdeutung ihre erste Bekanntschaft mit der Psychoanalyse. Nach Beendigung des Medizinstudiums faßte sie den Entschluß, nach Wien zu gehen, um sich dort in der Psychoanalyse ausbilden zu lassen und die Methode weiter zu studieren. Danach ging sie nach Berlin, um dort am Psychoanalytischen Institut bei Max Eitingon weitere Erfahrungen zu sammeln.
Inzwischen war sie mit Dr. Hans Lampl verheiratet und Mutter von zwei Töchtern. 1933 wurde sie durch die politischen Zustände in Deutschland gezwungen, nach Wien zurückzukehren. Nach dem erzwungenen „Anschluß“ Österreichs an Hitler-Deutschland ließ sie sich in Amsterdam nieder.
In den Niederlanden wurde sie einer der Pioniere der Psychoanalyse. Auch für die Entwicklung der Kinderanalyse hat sie sehr viel getan. Nicht nur national, sondern auch international besaß Frau Lampl große Anerkennung. Sie war Ehrenmitglied der Niederländischen Vereinigung für Psychoanalyse und Ehrendoktor der Universität von Amsterdam, daneben auch Ehren-Vizepräsidentin der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung und Ehrenmitglied der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung wie auch anderer wissenschaftlicher Vereinigungen.
Sehr stimuliert hat sie der persönliche Kontakt mit Sigmund Freud.