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Meine Überlegungen möchte ich sozusagen auf zwei Beine stellen. Der erste Teil besteht aus einer psychoanalytischen Untersuchung der Parzival-Legende, insbesondere der Form, wie sie Richard Wagner nach 40-jähriger Beschäftigung mit dem Thema 1882 in seinem Bühnenweihfestspiel „Parsifal“ schuf. Dabei werden mich folgende Fragen leiten: Warum bleibt Parsifal angesichts des schwerkranken, gequälten Gralskönigs Amfortas regungslos und stumm? Was verhindert sein Mitleid und sein Verständnis? Welche Entwicklung muß schließlich der junge Parsifal durchlaufen, bis diese Gefühls- und Verstehenssperre fällt, bis er schließlich Amfortas von seinen Leiden erlöst, dessen Amt übernimmt und damit in die Generationsfolge eintritt?
Die Früchte dieser Reise in die Literatur werden mir sowohl als Nahrung wie auch als Samen für den zweiten Teil meiner Arbeit dienen. Es handelt sich urn die psychotherapeutische Praxis. Auch hier interessiert mich das Leiden, nämlich das des Patienten und das Mit-Leiden des Therapeuten. Also ein Thema aus dem Bereich von Übertragung und Gegenübertragung. Gibt es bei der neutral-wohlwollenden Haltung des Psychoanalytikers Platz zum Mit-Leiden? Kann sich der Analytiker der leidvollen Verstrickung durch den Patienten überhaupt entziehen? Wie kann er mit dem fremden Leiden, das zeitweilig zu seinem eigenen wird, umgehen? Zunächst werden mich einige Feststellungen dazu aus der Literatur beschäftigen. Anschließend werde ich an Hand von klinischen Beispielen versuchen, eigene Antworten auf die gestellten Fragen zu formulieren.
Bevor ich mich Wagners Musikdrama „Parsifal“ zuwende, möchte ich kurz auf Entstehung und Entwicklung der Parzival-Legende eingehen.