You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Sigmund Freud hat in den „Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie“ die konstitutive Bedeutung der menschlichen Adoleszenz für die Kulturentwicklung der Menschheit aufgezeigt. „Die Tatsache des zweizeitigen Ansatzes der Sexualentwicklung beim Menschen … scheint eine der Bedingungen für die Eignung des Menschen zur Entwicklung einer höheren Kultur, aber auch für seine Neigung zur Neurose zu enthalten“ (1905, 135). An anderer Stelle heißt es: „Gleichzeitig mit der Überwindung und Verwerfung dieser deutlich inzestuösen Phantasien wird eine der bedeutsamsten, aber auch schmerzhaftesten, psychischen Leistungen der Pubertätszeit vollzogen, die Ablösung von der Autorität der Eltern, durch welche erst der für den Kulturfortschritt so wichtige Gegensatz der neuen Generation zur alten geschaffen wird“ (1905, 128). Freud deutet damit auf die Reorganisation des Ich-Ideals und Überichs in der Adoleszenz hin, was er selbst aber nicht ausführt.
Bernfeld (1923) hat sich als erster Psychoanalytiker mit der verlängerten Adoleszenz beschäftigt und die darin wirksamen Mechanismen und Prozesse beschrieben, wobei er die Jugendbewegung nach dem 1. Weltkrieg im Auge hat. Er weist auf die grundlegende Bedeutung dieser Art der Pubertät für die kulturelle Weiterentwicklung einer Gesellschaft hin. „Häufig ist die Form dieser kulturellen Erscheinung der (gestreckten)