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Die psychoanalytische Theorie ist bekanntlich nicht in einem kurzen Zeugungsakt dem Haupte Freuds entsprungen wie einst die Athena dem des Zeus, sondern hat sich mühevoll entwickelt und ist von ihrem Begründer mehr als einmal aufgrund der klinischen Erfahrung gründlich revidiert worden. Ebensowenig war die Rezeption dieser Theorie und ihre Praxisumsetzung ein rasch abgeschlossener Prozeß; vielmehr ist dieser selbst heute, bald fünfzig Jahre nach Freuds Tod, noch nicht an einem Punkt angelangt, von dem aus man den gegenwärtigen Zustand etwas verläßlicher in die Zukunft hinein extrapolieren könnte. Insofern besitzt die Psychoanalyse eine sehr inhaltsreiche Geschichte, ohne deren Kenntnis man sie weder als wissenschaftliche Disziplin richtig einschätzen noch als Institution begreifen kann, und es ist Freud gewiß nicht vorzuwerfen, die Bedeutung dieser Geschichtlichkeit übersehen zu haben: Nicht nur, daß er es selbst in kurzen Darstellungen selten versäumt, einige Bemerkungen über die Vorgeschichte der Psychoanalyse und ihre eigentliche Entstehung anzubringen (vgl. etwa in den 1909 in den USA gehaltenen Vorlesungen: 1910 a, GW VIII, S. 3 ff; ebenfalls in 1923 a, GW XIII, S. 211 ff sowie 223 f; auch 1924 f, GW XIII, S. 405 ff); insbesondere hat er mit „Zur Geschichte der psychoanalytischen Bewegung“ (1914 d) und der Selbstdarstellung (1925 d) zwei Schriften verfaßt, die sich explizit jenem historischen Aspekt widmen.
In diesen beiden Arbeiten geht Freud nicht nur auf den Enstehungs- und Begründungszusammenhang der psychoanalytischen Theorie ein, sondern stellt diese insbesondere in einen historischen Kontext, indem er