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Am 7. 10. 1988 verstarb in Berlin der Arzt und Psychoanalytiker Professor Dr. Erich Simenauer.
Es ist schwer, den Nachruf seines Lehranalytikers zu schreiben, auch wenn das Ende der eigenen Psychoanalyse jetzt 20 Jahre zurückliegt. So möchte ich vor allem vom Leben und Schicksal Erich Simenauers berichten, das in vielfältiger Hinsicht typisch für das eines deutschen Juden in unserem Jahrhundert war. Material dieses Berichtes sind Gespräche mit Erich Simenauer selbst, die ich in den letzten Jahren mit ihm führte, Gespräche mit Agnes Wergin, die mit ihm über 60 Jahre befreundet war, und ein von ihm selbst verfaßter Lebenslauf im Manuskript.
Erich Simenauer wurde am 31. 8. 1901 in Gleiwitz, Schlesien, als Sohn des Kaufmanns Leo Simenauer und seiner Ehefrau Jenny geboren. Aus der in Oberschlesien weitverzweigten Familie siedelten sich im 19. Jahrhundert mehrere Angehörige in Berlin an, wo sie in verschiedenen kommerziellen und akademischen Berufen als Bürger der Stadt bis 1933 tätig waren, dann durch erzwungene Auswanderung in alle Welt zerstreut wurden oder in Massenvernichtungslagern zugrunde gingen. Erich Simenauer war das zweite von vier Geschwistern. Sein ältester Bruder fiel 1916 im Weltkrieg. Die jüngere Schwester wurde mit zweien ihrer Kinder in Auschwitz ermordet. Der jüngste Bruder überlebte in der Fremdenlegion, starb später in England.