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Für Franz Hebel
Die Zeitgebundenheit sozial-psychologischer Probleme, ihre zuweilen tragische, widersprüchliche Verknüpfung mit historischen Abläufen erweist sich in ihrer überzeitlichen Dimension beispielhaft an dem Thema, das Sie, verehrte Anwesende, für Ihr diesjähriges „Internes Seminar“ gewählt haben: Psychoanalyse und Nationalsozialismus. Bereits diese meine Formulierung und erste Annäherung an das hier zu behandelnde Thema wird Sie mit Recht argwöhnen lassen, daß mein Konzept den mir aufgegebenen Titel bei weitem überschreitet. Ihr gegenwärtiger Vorsitzender, Herr Michael Ermann, hat in seinem Lindauer Vortrag „Unbewußte Phantasien in der Nachkriegsgeschichte der deutschen Psychoanalyse“, den er mir dankenswerterweise zukommen ließ, und in einigen telefonischen Ausführungen mir selbst einige Hinweise für die zeitliche Wahl dieses Themas gegeben. Dadurch hat er mich vor Mutmaßungen, auch etwa peinlich-delikater Art, bewahrt, warum Sie sich als „Deutsche Psychoanalytische Gesellschaft“ heute mit diesem Problem konfrontieren. Die Trennung der beiden psychoanalytischen Gruppen im Nachkriegs-Deutschland, das Bestehen zweier sich „psychoanalytisch“ präsentierender Vereinigungen ist mir hinsichtlich der historischen Implikationen ihrer Existenz, d.h. ihres Verhältnisses zu der eigenen Geschichte des früheren deutschen Reiches, das den Nationalsozialismus als legitimen Repräsentanten seiner Geschichte gebar, einigermaßen vertraut.