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„Ich mag sechs Jahre alt gewesen sein und erholte mich gerade von einer Krankheit; ich erinnere mich, daß ich auf ein Fenster zulief, hinter dessen Scheiben ein grauer Tag lag. Da dachte ich plötzlich: Jetzt habe ich wirklich verstanden! Es muß sich um etwas Grundsätzliches gehandelt haben. Diese Erinnerung hat mich durch mein ganzes Leben begleitet, auch wenn es mir nie gelungen ist, das zu rekonstruieren, was ich damals verstanden hatte.“
So drückt sich ein Patient zu Beginn seiner Analyse aus. Eine solche Episode scheint mir beispielhaft zu sein für jede analytische Erfahrung, für das Rätselhafte und die Frage selber, die jede Analyse stellt. Die „Frage“ wirft epistemologische Probleme auf, die man nicht als „abstrakten Luxus“ des Analytikers abtun kann, es sind vielmehr Probleme, die sich im Kern der analytischen Erfahrung wiederfinden. Von der Art und Weise, wie man diese Probleme angeht, leiten sich die möglichen Antworten her, die der Analytiker auf die Fragen des Analysierten gibt.
Welchen Wert messen wir den Erinnerungen bei? Einen dokumentarischen Wert? Einen künstlichen Dokumentarwert wie im Falle der Deckerinnerungen? Oder den Wert eines „Monuments“ (Foucault), oder sehen wir sie wie Virginia Woolf als „Momente des Seins“ an? Wird das, was der Verdrängung im Kindesalter unterworfen ist, von uns konstruiert oder rekonstruiert? Entdecken wir Ereignisse oder erfinden wir sie? Lassen wir ein begrabenes Wissen ins Bewußtsein auftauchen, das bereits in das Subjekt miteinbezogen ist? Muß das Vorgehen des Analytikers von Vorsicht geprägt sein, damit die Wahrheit des Patienten ans Licht kommt? Oder müssen wir von vornherein darauf verzichten, uns anzumaßen, wir könnten einer „Wahrheit“ des Subjekts auf die Spur kommen, die ontologisch