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Freud ist zu einer Industrie geworden. Fast jeder Monat bringt eine neue „Kontroverse“ um sein Leben, ausgelöst durch die Veröffentlichung eines weiteren Buches, das die Psychoanalyse durch die angebliche Aufdeckung schwerer Charaktermängel bei ihrem Begründer zu diskreditieren versucht. In der Tat, keine andere Gestalt im Pantheon der westlichen Kultur dürfte einer so unerbittlichen und intensiven persönlichen Durchleuchtung ausgesetzt worden sein; und keine wird so rücksichtslos und routinemäßig verleumdet, geschmäht und mißverstanden.
Leider werden auch alle Bemühungen, die Dinge richtigzustellen, sofort als voreingenommene Produkte sklavischer Verehrer, „dogmatischer Freudianer“, abgestempelt. Man denke etwa an Ernest Jones. Obwohl er in seiner monumentalen Biographie (1953-57) alles andere als ein idealisiertes Bild von Freud zeichnet, gilt sein Werk gemeinhin als ein Musterbeispiel der Heldenverehrung und Hagiographie. Tatsächlich ist sein Bericht voll von Passagen, in denen Freuds Schwächen, Eigenheiten und Irrtümer, die unvermeidliche Mitgift der Menschennatur, offengelegt und erörtert werden. Aber solche widrigen Fakten scheinen die Illusionen seiner Kritiker nicht zu stören. Es war freilich ein Verdienst von Jones, daß er den Mut hatte, die Leistung Freuds als das zu akzeptieren, was sie ist: ein Zeugnis der Höhe, zu der sich menschlicher Geist aufzuschwingen vermag.
Seit dem Erscheinen der Arbeit von Jones vor über 30 Jahren sind zusätzliche Informationen über Freud ans Licht gekommen - vor allem durch die Sammlung und Verbreitung von Teilen seiner ausgedehnten Korrespondenz - und haben neue biographische Würdigungen herausgefordert. Um aber bleibenden Wert zu erlangen, muß eine Biographie mehr bieten als lediglich neues Material: sie muß das Material in einer Synthese