You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Das klinisch-theoretische Fundament der Psychoanalyse ist die Dyade von Therapeut und Analysand. Sie wird durch die Übertragung des Patienten zusammengehalten. In der Idealsituation der klassischen Analyse ist die Übertragung ein Gebilde, das aus vergangenen Erfahrungen des Patienten und aus Phantasien über den Therapeuten erwächst. Damit eine unverzerrte Übertragung zustande kommt, sollte der Patient so wenig wie möglich über den Analytiker wissen; dieser sollte für ihn tabula rasa sein, so sauber und fest wie die Oberfläche eines Spiegels, dessen Glätte die getreue Wiedergabe eines Bildes gewährleistet.
Selbst unter idealen Bedingungen ist dieses Ziel nicht zu erreichen. Die Praxisräume des Analytikers, die Art, wie er sich kleidet, bewegt, spricht oder gestikuliert - alles wird zum Ausdrucksmittel persönlicher Eigenheiten. Jeder Patient macht sich, bewußt oder unbewußt, ein Bild von seinem Analytiker, das teils auf realen Beobachtungen und teils auf Schlüssen daraus beruht. Bei einigen Patienten finden wir ein erstaunlich zutreffendes Bild von der Person des Analytikers, andere bleiben ungerührt, als ob ihnen am Analytiker und seinem Wohnraum nichts Eigentümliches auffiele.
Ein Analytiker, von dem ich erzählen hörte, ging in seinem Bemühen um die Ausschaltung verunreinigender Faktoren so weit, daß er von seinen Patienten verlangte, sie sollten ihn beim Betreten und Verlassen der Praxis nicht anschauen. Es würde sich lohnen, die Aporien einer Technik zu untersuchen, die den Patienten überhaupt nicht mit dem Therapeuten bekannt werden läßt. In psychoanalytischen Ambulatorien könnte man es einrichten, daß der Analysand seinen Analytiker nie zu Gesicht bekommt. Der Ausgang eines solchen Experiments ist nicht leicht vorherzusagen;