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Ob Psychoanalyse eine Wissenschaft sei und wenn ja, was für eine Art von Wissenschaft sie sein könne, das sind Fragen, die von ihren ersten Anfängen bis heute mit unterschiedlicher Gründlichkeit und Heftigkeit aufgeworfen werden. Wenn es um den erkenntnis- oder wissenschaftstheoretischen Status z.B. der Einzelwissenschaft Psychoanalyse geht, entsteht eine doppelte Schwierigkeit. In der Regel ist der Psychoanalytiker erkenntnistheoretisch mangelhaft ausgebildet und der Philosoph oder Wissenschaftstheoretiker psychoanalytisch wenig erfahren.
Ohne diese Problematik zu vergessen, soll der Versuch unternommen werden, dieses reichlich philosophisch-theoretisch klingende Thema anzugehen. Wohlbekannt ist das Habermas'sche Diktum vom „szientistischen Selbstmißverständnis“ bei Sigmund Freud. Er meint damit, Freud habe den erkenntnistheoretischen Standort der von ihm ins Leben gerufenen Wissenschaft verkannt. Habermas ordnet die Psychoanalyse in den kategorialen Rahmen kommunikativen Handelns ein und definiert sie als Selbstreflexion, die über den Umweg allgemeiner Interpretationen erweitert werden kann. So rückte er die an Sprache und Symbolverständnis geknüpfte Seite der psychoanalytischen Praxis ins rechte Licht, stellte aber die Metapsychologie, die Freud bekanntlich als Hexe (Freud, , S. 69) bezeichnet hatte, in den Schatten und koppelte tendenziell Psychoanalyse von der Schicht der Psyche ab, die nicht zu uns spricht, die wir aber dennoch als gegeben annehmen müssen.
P. Ricoeur gelingt es m. E. am besten, beide Bereiche psychoanalytischer Praxis, den vorsprachlich gegebenen, der via Ubersetzung zum sprachlich vermittelten wird, zusammenzubinden, indem er die Widersprüchlichkeit der Psychoanalyse, ihre Doppelgesichtigkeit als, wie er es nannte, „Energetik und Hermeneutik“ durchhält. Er bindet die drei