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Obwohl Musik als eine universale menschliche Ausdrucksmöglichkeit zu verstehen ist, hat sich die Psychoanalyse mit ihr bis heute eher nur am Rande befaßt. Die Gründe hierfür dürften vor allem im Wesen der Musik selbst zu finden sein, der „mit der Sprache auf keine Weise erschöpfend beizukommen ist“ (Nietzsche), da sie einen mit sprachlichen Begriffen eindeutig bestimmbaren „Inhalt“ und Sinn nicht hat. Darüberhinaus folgt die Musik ihr eigenen Formgesetzen, die nur näherungsweise mit sprachlichen Begriffen zu durchdringen sind. Im Folgenden sollen zunächst einige grundsätzliche Überlegungen zur Psychoanalyse der Musik und ihrer psychodynamischen Ursprünge in Begriffen psychoanalytischer Metapsychologie formuliert werden, um anschließend den Ursprüngen der abendländischen Musik in der griechischen Antike nachzugehen, um zu zeigen, wie die antiken Musikauffassungen und deren weiterreichende Auswirkungen auf die Entwicklung der abendländischen Musik mit unserem psychoanalytischen Verständnis von Musik und insbesondere von Musik als Tonkunst korrespondieren.
„Musik ist sprachähnlich … Aber Musik ist nicht Sprache“ (Adorno 1956). Ihr Sagen, Meinen, Abbilden und Bedeuten ist von anderer Art als das der diskursiven Sprache. Sprache kann mit Begriffen, mit ihrem Vokabular konkrete Sachverhalte eindeutig benennen, während Musik über ein solches „Vokabular“ nicht verfügt. Denn es gibt keine Tongruppen, Melodien, Harmonien oder Rhythmen, die bestimmten Inhalten eindeutig und allgemeinverbindlich zugeordnet werden könnten. Musik