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Die Psychoanalyse ist als klinische Theorie entstanden. Bereits früh hatte Freud allerdings den Ehrgeiz, eine umfassende Psychologie auch des Normalen zu entwerfen; in der „Traumdeutung“ weist er nach, daß die für die Bildung neurotischer Symptome verantwortlichen psychischen Mechanismen auch im Seelenleben des Gesunden bedeutungsvoll sind. Trotz weiterer entsprechender Nachweise, etwa in der „Psychopathologie des Alltagslebens“, trotz der psychoanalytischen Deutung von Kunstwerken (z. B. Freud 1907 und 1914), trotz kulturtheoretischer Anwendungen (z.B. Freud 1912, 1921, 1927) blieb die Psychoanalyse bei Freud und mehr noch bei seinen Nachfolgern dennoch eine überwiegend klinische Theorie.
Vermutlich liegt in dieser klinischen Präponderanz der Grund dafür, daß manche im menschlichen Leben regelmäßig vorhandenen Abläufe, Ereignisse und Erlebnisse bisher nicht die wissenschaftliche Aufmerksamkeit der Psychoanalytiker zu erringen vermochten. Ein solches regelmäßiges Ereignis ist der Abschied.
Abschied ist von Trennung zu differenzieren. „Trennung“ kann als der hierarchisch übergeordnete Begriff von mehr deskriptivem Charakter, „Abschied“ als eine Unterform der Trennung betrachtet werden, der etwas Endgültiges anhaftet und die, etwa in der Literatur oder in Volksliedern, mit Schmerz und Wehmut konnotiert wird; Tod und Abschied stehen in enger Verbindung miteinander1. „Trennung“ verträgt viel eher das Attribut „vorübergehend“.