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In letzter Zeit hat die sogenannte Verführungstheorie, mit der Freud in einer bestimmten Phase die Ätiologie der Neurosen zu fassen suchte, viel Aufmerksamkeit gefunden (Masson 1984). Kritiker und Bewunderer Freuds betonen gleichermaßen ihre Bedeutung für die Entwicklung der Psychoanalyse, aber im Verständnis der Theorie zeigen sich starke Divergenzen. Daher erscheint es angebracht, ihre Stellung und Entwicklung im Freudschen Werk etwas genauer zu prüfen.
Grundlage der nachfolgenden Studie sind die wissenschaftlichen Veröffentlichungen Freuds, da sie - und nicht seine Privatbriefe oder andere persönliche Äußerungen - als die definitive Verkörperung seiner theoretischen Formulierungen zu gelten haben.
Die Verführungstheorie zur Ätiologie der Hysterie und Zwangsneurose wurde von Freud in drei Aufsätzen, alle von 1896, vorgestellt. Wie bei jeder Hypothese in statu nascendi lassen sich auch bei dieser Unstimmigkeiten beobachten. Man wird sehen, daß sie lediglich Nebenaspekte betreffen und den theoretischen Kern nicht beeinträchtigen. Dennoch war die Verführungstheorie, anders als Masson (1984) glauben macht, nicht ohne Mängel. Trotz Freuds Überzeugungskraft und eigener Überzeugung sind manche Teile seines Gedankenganges bemerkenswert schwach.
Bevor wir uns der Verführungstheorie selbst zuwenden, mag es nützlich sein, Freuds Grundformel für die verschiedenen Typen ätiologischer