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Um mit einem aktuellen Eindruck aus den letzten Wochen zu beginnen: das TV-Magazin Spiegel zeigte einen Noteinsatz im Raum Potsdam, bei welchem ein Kamera-Team das Arztteam begleitete und den gesamten Einsatz filmte. Was auf das Filmteam und damit die Zuschauerschaft zukommen würde, stand allem Anschein nach vorher nicht fest: es wurde dann der Tod eines neunjährigen Jungen, der beim Überqueren der Fahrbahn von einem Auto erfaßt und durch die Luft geschleudert worden war. Die Kamera registrierte die vergeblichen Wiederbelebungsversuche und hielt anschließend fest, wie die Großmutter des Jungen dazukam, weil sie die Schuhe des Enkels auf der Fahrbahn gesehen hatte und nun in Anbetracht der Situation in ratlose, stammelnde Verzweiflung verfiel. Dokumentiert werden sollte, wieviel mehr Unfälle zur Zeit auf ostdeutschen Straßen passieren, seit das Verkehrsaufkommen soviel größer geworden ist. Und Dokumentation war auch die Absicht einer anderen Sendung, die schon eine Weile zurückliegt : wir sahen in der Tagesschau Bilder von einem Vulkanausbruch in Kolumbien, der mit einer Überschwemmung einherging und zahlreiche Einwohner unter den Trümmern ihrer Häuser begrub. Einige der Opfer überlebten eine Weile; man sah Bilder von einem halbwüchsigen Mädchen, das - bis zum Hals im Wasser - mit dem Unterkörper eingeklemmt war und sich nicht befreien konnte. Die Kamera - eher zur Stelle als das Rettungsgerät - filmte das allmähliche Sterben des Mädchens und machte den Fernsehzuschauer auf diese Weise zum hilflosen Beobachter. Reduziert auf visuelle Teilnahme, wurde er vom Medium behandelt, als wäre er selbst ein technischer Apparat, der Eindrücke registrieren und festhalten, aber nicht mehr in Abläufe eingreifen kann.