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Als ich vor geraumer Zeit dazu aufgefordert wurde, einen Beitrag für eine Anthologie über weibliche Homosexualität zu schreiben, wurde mir plötzlich deutlich, wie wenig die psychoanalytische Theorie sich bisher mit dem negativen weiblichen Ödipuskomplex beschäftigt hat, und wie viele Fragen bezüglich der psychosexuellen Entwicklung der Frau nach wie vor offen sind.
Mir wurde bewußt, daß ich selbst mich mit diesem Zustand arrangiert hatte, und ich begann mich zu fragen, ob ich im Verlauf meiner psychoanalytischen Sozialisation in einem relativ geschlossenen System gelandet war, das weite Bereiche meiner Selbst von einer Erkenntnis ausschloß. Hatte ich mich wider besseres Wissen von einem Weltbild definieren lassen, das mir Geborgenheit unter der Bedingung von Einschränkung anbot, wie es typisch ist für Frauen unter patriarchalen Bedingungen? Mich überfiel eine Ahnung, daß ich etwas Wichtiges vergessen haben könnte, etwas, das ich zwar einmal gewußt, aber in der Not der lebensgeschichtlichen Ereignisse hatte untergehen lassen, ohne es mir überhaupt richtig klar zu machen: ich hatte „meine Hausaufgaben nicht gemacht”, ich hatte mich vergessen.
Mir fiel die Situation der kleinen Gerda in Andersens „Schneekönigin” ein, die zufrieden im Garten der alten Frau lebt, weil die Alte alle Rosen weggezaubert hat, die Gerda an ihr eigentliches Ziel erinnert hätten, ihren