You do not currently have permission to view the full text for this document. Please sign in to an account with an active subscription or contact support.
Im Jahre 1911 veröffentlichte der „Verein zur Unterstützung mittelloser israelitischer Studierender in Wien” anläßlich seines fünfzigsten Gründungsjubiläums eine Denkschrift. Sie enthielt Daten zur Vereinsgeschichte wie auch eine umfangreiche Sammlung von handschriftlich signierten literarischen und künstlerischen Beiträgen, in denen Persönlichkeiten des Kultur- und Geisteslebens ihre Verbundenheit mit den humanitären Zielen des Vereines dokumentierten, unter ihnen Arthur Schnitzler, Theodor von Gomperz, Erich Wolfgang Korngold, um nur einige zu nennen. Freud widmete der Chronik einen Aphorismus. Ein knapper philosophischer Exkurs führte zur Frage der Unterstützungswürdigkeit und zu der Bereitschaft, für die Erreichung eines Zieles Entbehrungen auf sich zu nehmen. Der Aphorismus lautet:
Einst galt die Askese - Entsagung, Entbehrung - als Mittel zur Macht; heute das Wissen. Es scheint zweckmäßig, die zu unterstützen, die über Entbehrungen zum Wissen gelangen wollen.1
Verrät dieser Aphorismus eine autobiographische Anspielung, als sollte ein stummer Nachsatz ergänzend fortfahren: wie einst ich selbst über Entbehrungen zum Wissen gelangen wollte und auch gelangt bin? Im folgenden werde ich versuchen, dieser Frage nachzugehen und sie mit Dokumentarmaterial zu erhellen.