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Als Freud vor 61 Jahren am 28. August 1930 feierlich den Goethe-Preis der Stadt Frankfurt verliehen bekam, erlaubte es der Gesundheitszustand des 74jährigen nicht, daß er selber den Preis entgegennahm. Durch seine Tochter Anna Freud ließ er eine Dankesrede verlesen, in der er der Beziehung der Psychoanalyse zum Werk Goethes nachging und sich auch mit der Kritik auseinandersetzte, die in dem Versuch einer psychoanalytischen Betrachtung Goethes bereits eine Erniedrigung des Dichters sah. Freud hielt den anwesenden politischen und intellektuellen Honoratioren der Stadt Frankfurt vor: „Unsere Einstellung zu Vätern und Lehrern ist nun einmal eine ambivalente, denn unsere Verehrung für sie deckt regelmäßig eine Komponente feindseliger Auflehnung”. Diese auf Goethe hin gesprochenen Worte, ließen sich für den, der es hören wollte, auch mühelos auf den Goethe-Preisträger selber beziehen, denn der Feier im Goethe-Haus ging eine ungewöhnlich kontroverse Diskussion um Freud im Preiskuratorium voraus, welche zwar eine Mehrheit für Freud ergab, aber die Polarisierung der Meinungen keineswegs aufheben konnte. Bereits