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Zwei Behandlungen, in denen die Gesichtserinnerung bzw. die Gesichtsbeschreibung des Analytikers eine wichtige Rolle spielten, haben mich auf analytische Beobachtungen im Kontext von Gesichtswahrnehmung aufmerksam gemacht. In späteren Analysen fand ich das Thema „Gesicht“ jeweils bei stark affektiv betonten Beziehungsvorgängen, vorzugsweise Trennungssituationen oder Individuationsschritten. Meine Hypothese, daß wichtige Entwicklungsschritte einhergehen mit einer höheren Besetzung des Gesichtssinns, schreibt dem Gesicht die Bedeutung eines wichtigen Mediums im psychoanalytischen Dialog zu.
In der darstellenden Kunst (v. a. Malerei und Literatur) existieren berühmte Zeugnisse von Gesichtsdarstellungen bzw. -beschreibungen: Die Kunstgeschichte (M. Gasser, 1961) sieht als ein ungeschriebenes Gesetz für alle großen Meister der Epochen der letzten Jahrhunderte, sich wenigstens einmal im Bilde selber darzustellen, sei es im Selbstportrait als Gemälde, als flüchtige Federskizze oder als Selbstkarikatur, mal Zeugnis narzißtischer Selbstobservanz, mal Resultat rigoroser Selbsterforschung, mal rücksichtsloser Selbstbekenntnis. Die Literaturgeschichte (P. von Matt, 1983) erkennt in den vielen Zeugnissen eindrücklicher Gesichtsbeschreibung, einem „literarischen Genre ganz eigener Natur“ (S. 22), einen „Vorgang des sprachlichen Nachschaffens lebendiger Menschen“ (S. 46); Gesichtsbeschreibungen, in denen die „Ambivalenz von Begegnungssehnsucht und Begegnungsangst“ (S. 39) zu lesen ist, sind auch „verhindertes Geschehen, von dem sie ihre sprachlich-poetische Gewalt gewinnen“. „Das lesbare, deutbare Gesicht gehört zum Menschen, ist doch das Gesicht gerade insofern ein Humanum ersten Ranges, als man an ihm als einem Sichtbaren das unsichtbare Seelische erkennen kann“ (S. 107). Goethe hat einmal im Zusammenhang mit dem menschlichen Gesicht von