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Freuds Interesse an großen Gestalten der jüdischen Geschichte erwachte schon in seiner Kindheit. In einem Zusatz von 1935 zu seiner „Selbstdarstellung“ schreibt er: „Frühzeitige Vertiefung in die biblische Geschichte, kaum daß ich die Kunst des Lesens erlernt hatte, hat, wie ich viel später erkannte, die Richtung meines Interesses nachhaltig bestimmt.“ Wir wissen nicht, wie groß der (durch seine katholische Kinderfrau vermittelte) Einfluß des Neuen Testaments und seines jüdischen Helden Jesus auf ihn war; das Kind Sigmund war sich, wie so viele Kinder, des Judentums Jesu nicht notwendig bewußt1. Überhaupt kann man annehmen, daß sich für das kleine Kind Jüdisches mit Antijüdischem auf eine vieldeutige Weise vermischte, was auch mit seiner Kinderfrau und deren Schicksal zusammenhing.
Freud hat sich in seinen Veröffentlichungen wiederholt mit Gestalten aus dem Alten Testament identifiziert. Jeder jüdische Junge fühlt sich (auch wenn sein Vater nicht Jakob heißt) von der Geschichte von Jakobs Vater Isaak angerührt, der beinahe von seinem eigenen Vater, dem jüdischen Urvater Abraham, geopfert worden wäre. Freud berichtet von der Enttäuschung, die er empfand, als sein Vater Jakob ihm erzählte, ein Nichtjude habe ihm einmal die Pelzmütze vom Kopf geschlagen, so daß sie in den Schmutz fiel, und dazu gerufen: „Jud, herunter vom Trottoir!“ Auf die Frage des Jungen, was Jakob daraufhin getan habe, „antwortete der Vater ruhig: ‚Ich bin auf den Fahrweg gegangen und habe die Mütze