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Im Jahre 1984 wurde bei einer Auktion in München eine Gedichthandschrift Freuds angeboten1. Nun war Freud mit seinem besonderen und eigentümlichen Stil, der sich in Werken und Briefen zeigt, sicher ein großer Schriftsteller, aber kaum einer, der Gedichte schrieb. Ein neu aufgetauchtes Gedicht mußte also Interesse erwecken. Denn was war bisher an Gedichten bekannt? Einmal das satirische „Hochzeitscarmen“2, das der 19jährige Freud in etwas schwerfälligen Hexametern bei der Hochzeit des Mädchens schrieb, das von ihm und seinem Freund Eduard Silberstein umschwärmt und scherzhaft „Ichthyosaura“ genannt wurde. Dann das Gedicht, das Freud - ebenfalls in Hexametern - bei der Geburt von Conrad Fließ, einem Sohn des Freundes Wilhelm Fließ, im Jahre 1899 verfaßte3. Und schließlich jenes Gedichtchen, mit dem Freud einem Mann, der in Karlsbad die Kurgäste zu wiegen pflegte, zu Hilfe kommen wollte. Vor dem Freundschaftssaal, schrieb Freud 1915 an seine Tochter Anna, habe dieser Mann eine Waagebude, „zu deren Gebrauch er seit Jahren mit folgendem schauerlichen Vierzeiler einladet:
So wahr daß Gottes Augenlicht
Hat jeder Kurgast sein Gewicht
Darum soll er es nicht unterlassen,
Im Freundschaftssaal sich wägen lassen.