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In der Frage nach der ästhetischen Dimension der psychoanalytischen Erfahrung ist das sinnliche Erleben, das sich in der psychoanalytischen Situation einstellt, angesprochen. Implizit ist dieses Thema in einer Vielzahl psychoanalytischer Publikationen enthalten. Explizit haben besonders H. Segal (1957), H. W. Loewald (1975), W. Loch (1986), D. Meltzer (1988) und W. Schönau (1991) zur ästhetischen Dimension der psychoanalytischen Erkenntnis Stellung genommen.
Die psychoanalytische Alltagssprache operiert mit einem Begriff von ‚Erleben‘, der sich auf emotionale und kognitive Evidenz stützt. Diese Evidenz ist - wie häufig gezeigt wurde - problematisch, kleidet sie doch häufig schlichte Vorurteile in ein Gewand der Intuition - ‚der unmittelbaren Anschauung‘ (intueri: anschauen, betrachten) -, die nicht mehr kritisch hinterfragt werden kann. Andererseits ist in sinnlich-ästhetischen Eindrücken - angefangen bei Stimmungen, Empfindungen, bildhaft szenischen Vorstellungen und Erinnerungen bis zu Veränderungen des Tonfalles, musikalischen Eindrücken, Geruchswahrnehmungen u. a. - ein für viele Psychoanalytiker unersetzbares Erkenntnismoment enthalten.
Nach einer ideengeschichtlichen Vorbemerkung möchte ich mich dem Problem in den folgenden Ausführungen von der klinischen Seite her nähern. Anhand einer Kasuistik soll, im Rückgriff auf Meltzers Konzept des ästhetischen Konflikts und Winnicotts Theorie von Übergangsobjekten und Übergangsphänomenen, die Bedeutung der ästhetischen Erfahrung für die psychoanalytische Erkenntnis beleuchtet werden.