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Ein spezielles Interesse für zwei Schaffensperioden von Alexej von Jawlensky führte bei mir zu einem Prozeß wechselnder Intensität, in dem es aus der ersten Begegnung mit dem Künstler und seinem Werk zu einer Interaktion mit Verwicklungen und Klärungen kam, der sich über Jahre hinzog.
Anfangs hatte ich sicher nicht die Absicht, über dieses Thema eine psychoanalytische Arbeit zu machen - es gibt viele Gründe, das nicht zu tun - der wichtigste Punkt drückt sich in dem Argument von Künstlern und Kunsthistorikern aus, daß Kunst eine Eigenständigkeit habe, die nicht reduzierbar sei. Das Argument hinderte mich aber nicht daran, Antworten für meine Fragen zu suchen.
Eine Berechtigung, aus meinen Fragen eine analytische Arbeit zu machen, fand ich in den Äußerungen Freuds in „Der Moses des Michelangelo“. Auch ich sehe mich nicht als besondere Kunstkennerin, sondern als Kunstinteressierte und lasse mich von unterschiedlichen Richtungen in Abbildungen und Plastiken faszinieren. „Aber warum soll die Absicht des Künstlers nicht angehbar und in Worte zu fassen sein wie irgend eine andere Tatsache des seelischen Lebens“ (Freud, 1914b, S. 173). Es kam Freud auf den Gehalt eines Kunstwerkes an, und er befaßte sich nicht mit Form und Technik, den eigenständigen, nur kunsthistorisch zu erfassenden Momenten.