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Freud schrieb „Der Dichter und das Phantasieren“ im Jahre 1908. Zuvor hatte er bereits einen Bereich entdeckt, in dem das Lustprinzip, das im Alltagsleben dem Realitätsprinzip unterworfen ist, frei operieren konnte: in Träumen und Symptomen. In dieser Arbeit ergänzte er dies nun um das kindliche Spiel, die Phantasie und die Dichtung. „Der Dichter tut nun dasselbe wie das spielende Kind; er erschafft eine Phantasiewelt, die er sehr ernst nimmt, d. h. mit großen Affektbeträgen ausstattet, während er sie von der Wirklichkeit scharf sondert.“ (1908e, 214)
Was ich in Freuds Arbeit vermisse, ist eine Differenzierung zwischen der Wahrheit-suchenden und der Wahrheit-umgehenden Funktion des Schreibens, zwischen ernsthaftem, schöpferischem Schreiben und eskapistischer, eine unwirkliche Welt vorgaukelnder Literatur. Wenn wir das Konzept der Phantasie erweitern, können wir, denke ich, behaupten, daß einige Phantasien Ausdruck psychischer Realität sind, während andere dazu da sind, sie durch die Schaffung psychischer Unwirklichkeit abzuwehren: damit hätten wir eine Basis für die Unterscheidung zwischen grundsätzlich wahrhaftigem Schreiben und der Intention nach unwahrhaftigem Schreiben.
Diese weitreichende Auffassung von Phantasie, ist, wenn auch nicht explizit, meines Erachtens in Freuds eigener Auffassung enthalten. Er schrieb, „wie die Träume basieren sie zum guten Teil auf den Eindrücken infantiler Erlebnisse“ (Freud 1900a, 496), und „wie es aber bewußte