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Warum erneut „Trauer und Melancholie“? Warum die erneute Lektüre eines alten Freudtextes? Die Themenwahl verlangt eine Begründung, und diese soll einleitend gegeben werden.
Das Thema der Trauer ist in Übergangszeiten besonders wichtig. Im Übergang ist Trauerarbeit zu leisten, Abschied zu nehmen, und zwar so, daß der Schatten des geliebten und verlorenen Objektes nicht auf das Ich fällt und den Neubeginn verdunkelt. Abschied gelingt dann (und wer wüßte nicht, wie selten er gelingt), wenn erlebt werden kann, daß Abschied nicht auch den inneren Verlust des Objektes bedeuten muß, sondern die gewonnenen inneren Objekte gerade stabilisieren kann. Trauer kann bewahrender Verlust, abschiednehmende Bewahrung sein. Melancholie hingegen ist der endgültige Verlust in der Unfähigkeit, sich zu trennen.
Da ich selbst in einer Phase des beruflichen Übergangs lebe, zieht mich das Thema persönlich besonders an. Aber nicht nur ich selbst lebe in einer Zeit des Übergangs; das gilt, in Deutschland momentan in besonderer und nicht nur erfreulicher Weise, auch politisch. „Trauer und Melancholie“ eignet sich auch dazu, gesellschaftliche Verluste und Trauerprozesse bzw. ihr Scheitern zu beurteilen. „Trauer und Melancholie“ ist der Ausgangspunkt des Mitscherlich-Werks „Die Unfähigkeit zu trauern“ gewesen. Nicht von ungefähr ist jetzt wieder die psychoanalytische Debatte um die Mitscherlichsche Zeitdiagnose neu entflammt. Die Unfähigkeit zu trauern ist seit der deutsch-deutschen Vereinigung wieder Thema, weil diese